Technischer Leitfaden mit Quellen · ROLL Lab
Papphülsen oder Kunststoffhülsen: wann sich was lohnt
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Die Zahlen bei gleichem Maß (Pappe = 1)
| Werkstoff | Gewicht | Festigkeit bei 3 % | Höchstlast | Umläufe | NIAS-Risiko | Temperatur |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Pappe | 1 | 1 | 1 | 1 | mittel | keine |
| Neu-PVC | 1,76 | 1,58 | 3,5 | >35 | keins | −20 % bei 50 °C |
| PVC-Rezyklat | 1,85 | 1,23 | 2,7 | >25 | mittel | −30 % bei 50 °C |
| Neu-PP | 1,13 | 1,15 | 2,54 | >10 | keins | empfindlich |
| PP gefüllt | 1,23 | 1,51 | 3,33 | >15 | keins | empfindlich |
| Neu-PE-HD | 1,14 | 1,08 | 2,38 | >3 | keins | empfindlich |
| PE-HD-Rezyklat | 1,16 | 1,01 | 2,22 | >5 | niedrig | empfindlich |
Mittlere Verhältnisse nach Schätzungen des ROLL Lab; Umläufe als Mindestwerte aus der Praxis. NIAS: nicht absichtlich zugesetzte Stoffe, relevant für den Lebensmittelkontakt.

Achtung: Sie werden nicht gleich gemessen
Pappe wird beim ersten Versagen geprüft (ISO 11093-9): Die Kraft steigt, erreicht eine Spitze und fällt ab. Kunststoff hat keine Spitze: Er wird oval und hält weiter, deshalb misst man bei 3 % Verformung (ISO 9969). Bei Kunststoff liegt die Höchstlast etwa beim 2,2-Fachen des Werts bei 3 %. Bei Pappe bestimmt die Feuchte, bei Kunststoff die Temperatur: Bei 50 °C verliert PVC nach Daten des ROLL Lab etwa 20 % (Neuware) oder 30 % (Rezyklat). Die beiden Prüfungen laufen auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit: 50–65 mm/min bei Pappe, 2–5 mm/min bei Kunststoff.
Wann man was wählt
| Nehmen Sie Pappe, wenn… | Prüfen Sie Kunststoff, wenn… |
|---|---|
| die Hülse mit der Rolle geht und nicht zurückkommt | es einen echten Rückführungskreislauf gibt |
| das Gewicht zählt (Transport, Handling) | die Umgebung feucht oder nass ist |
| der Kunde mit dem Altpapier recycelt | Reinraumsauberkeit oder Staubfreiheit nötig ist |
| Sondermaße in kleinen Losen gefragt sind | eine hohe Höchstlast ohne Kollaps nötig ist |
Die ehrliche Formel sind die Kosten pro Einsatz: (Preis der Kunststoffhülse + Kosten der Rückführungen) geteilt durch die echten Einsätze, gegenüber dem Preis der Papphülse. Rechnen Sie selbst.
Spricht die Rechnung für Kunststoff, geht es als Nächstes um Polymer und Wandstärke: Kunststoffhülsen richtig auswählen (plastic-cores.info, der Schwester-Ratgeber von ROLL).
Häufige Fragen
Kunststoff- oder Papphülsen: Wann lohnt sich Kunststoff?
Wenn die Hülse zurückkommt und oft wiederverwendet wird, in feuchter Umgebung oder im Reinraum, oder wenn eine hohe Höchstlast nötig ist. Pappe gewinnt bei Gewicht, Kosten als Einweghülse und Recyclingfähigkeit. Der Rechner „Pappe oder Kunststoff?“ rechnet die Kosten pro Einsatz.
Wie oft kann man eine Kunststoffhülse wiederverwenden?
Das hängt vom Werkstoff und von der Sorgfalt bei der Rückführung ab. Der am besten dokumentierte europäische Fall, den wir gefunden haben, erreicht im Versuch bis zu 50 Umläufe; ein Hersteller berichtet aus Kundenerfahrung von über 3 Zyklen (PE-HD) bis über 35 (Neu-PVC). Für Angaben wie „Hunderte Umläufe“ haben wir keine öffentlichen Prüfdaten gefunden.
Was kostet eine Kunststoffhülse im Vergleich zu Pappe?
In veröffentlichten Fällen etwa das 3- bis 4-Fache einer gleich großen Papphülse. Sie lohnt sich nur, wenn sie zurückkommt und wiederverwendet wird: Kostet die Rückführung 20 % des Pappe-Preises, liegt der Break-even bei etwa 5 echten Einsätzen.
Welcher Kunststoff: PVC, PP, PE-HD oder ABS?
Hart-PVC ist am verbreitetsten und beständig gegen Feuchte und Chemikalien, leidet aber unter Wärme. PP ist leicht und verträgt höhere Temperaturen. PE-HD bleibt auch bei Kälte zäh. ABS bietet hohe Präzision. Man wählt nach Temperatur, Hygiene, Umläufen und Schnitt.
Sind Kunststoffhülsen für den Lebensmittelkontakt geeignet?
Es gibt PP-Hülsen, die als konform zur Verordnung (EU) 10/2011 erklärt sind. Meist berührt die Hülse aber die Folie, nicht das Lebensmittel: Die Konformität wird im Einzelfall mit der Erklärung des Lieferanten bewertet. Recyclingkunststoff aus Post-Consumer-Material, vor allem PVC, ist in der Regel nicht geeignet.
Vertragen Kunststoffhülsen Feuchte und Lagerung im Freien?
Ja: Sie nehmen kein Wasser auf, quellen nicht und verlieren mit der Feuchte keine Festigkeit. Ihre Schwäche ist Wärme: Bei 50 °C verliert PVC nach Daten des ROLL Lab 20–30 % Festigkeit, und manche Recyclingkunststoffe verbiegen sich in der Sonne.
Ist eine Kunststoffhülse für das italienische CONAI eine Verpackung?
In der Regel ja. Nach dem CONAI-Rundschreiben zu Hülsen und Rollen (2013) ist nur die Hülse keine Verpackung, die Teil der Maschine ist und das Produkt nicht präsentiert. Die Hülse mit einem Halbzeug, das nur in der Verarbeitung genutzt wird, ist Verpackung, aber vom Beitrag befreit; die Hülse, die beim Endanwender ankommt, etwa bei Stretchfolie, ist beitragspflichtig. In Deutschland gilt dafür das Verpackungsgesetz (VerpackG).
Müssen Kunststoffhülsen ab 2030 Rezyklat enthalten?
Ja, wenn sie Verpackung sind: Für „sonstige Kunststoffverpackungen“ verlangt die PPWR ab 2030 35 % Post-Consumer-Rezyklat und ab 2040 65 %, als Mittelwert je Werk und Jahr (Art. 7). Recycelter Produktionsabfall zählt nicht.
Fallen Hülsen unter die Wiederverwendungsziele der PPWR?
Nein: Art. 29 legt Wiederverwendungsziele für Paletten, Kisten, Steigen, Fässer und weitere genannte Formate fest, Hülsen sind nicht dabei. Ihre Wiederverwendung ist heute freiwillig. Wird eine Hülse als wiederverwendbar erklärt, braucht sie ab 2029 ein Etikett mit QR-Code.
Quellen
- ISO 9969 und ISO 11093-9
- Auswertung ROLL Lab (Verhältnisse für Gewicht, Festigkeit, Umläufe und Temperatur)
Ihre Hülse finden → Hülse anfragen